„Das gibt es doch alles schon.“
„Ist ja viel billiger als die eigene Entwicklung bzw. Bau.“
„Außerdem habe ich auf kommerzielle Lösungen eine Gerätegarantie.“
„Die fertigen Geräte von XX haben viel mehr Komfort und informieren mich am Handy.“
So oder ähnlich höre ich es immer wieder, wenn Laien meine Lösungen beurteilen.
Auch von Elektronikern kommen hin und wieder Kritikpunkte zur Realisierung. Diese haben in der Regel, solange diese von Praktikern kommen, mehr Substanz. Wie beurteilte ein Forumschreiber eine Lösung von mir? „Ja, es führen immer mehrere Wege nach Rom … somit ist die Lösung naheliegend.“ Es sind oft die konkreten Umstände, die mich über alternative Lösungen nachdenken lassen. Meistens lass ich mich dabei von nicht kommerziellen Lösungen leiten. Kommerzielle Lösungen haben den Vorteil der schnellen Verfügbarkeit und Realisierung. Auch sind die Lösungen technologisch oft besser. Um eine gleichwertige technologische Lösung zu realisieren, sind lange Entwicklungsprozesse nötig, mit denen die Lösungen iterativ ständig verbessert werden. Eigene Lösungen können es daher nicht immer mit kommerziellen Lösungen aufnehmen. Manchmal liegt aber auch der Vorteil der eigenen Lösung in einer simplen Realisierung. Ich sehe keinen „Vorteil“ in einer smarten Lösung, wenn ich nur das Licht einschalten möchte oder informiert werde, wenn die Waschmaschine fertig ist. Kommerzielle Lösungen haben auch den Nachteil, der (oft, aber nicht immer) höheren Kosten und der nicht optimalen Anpassung an die individuellen Anforderungen vor Ort.
Dann gibt es noch ein entscheidendes weiteres Argument für den Selbstbau. Und das ist der Spaß an der Elektronik. Das mag jeder für sich anders beantworten. Die einen haben Freude daran, aus den kommerziell verfügbaren Lösungen eine innovative Lösung zu basteln. Die anderen setzen den Spaßfaktor bei der Entwicklung eigener Schaltungen höher an: „… der Weg ist das Ziel und wo bleibt da der Spaß, wenn man alles nur noch fertig kaufen würde.“
Wie steht es um die Austauschfähigkeit oder Reparaturmöglichkeit? Auf kommerzielle Geräte habe ich sicher eine 2-Jahresgarantie. Und danach? Wenn ich Glück habe, dann wird das gleiche Gerät noch angeboten und ich kann es einfach austauschen. In der Regel wird man aber nach 5-10 Jahren zu hören bekommen, dass diese Geräte nicht mehr produziert werden und jetzt ein viel besseres gekauft werden kann. Selbst gebaute Geräte lassen sich dagegen reparieren. Ist das Wissen um das Gerät verloren gegangen, dann kann man den Weg der kommerziellen Neuinstallation immer noch wählen.
Noch ein Wort zum Argument „mehr Komfort und informieren mich am Handy.“ Diese smarten Lösungen haben für mich einen zweifelhaften Wert. Es mag sich nach mehr Komfort anhören, wenn ich am Handy über einen Wassereinbruch im Keller informiert werde. Was bringt mir diese komfortable Lösung, wenn ich gerade am Strand in der Südsee sitze und es in Deutschland aufgrund der Zeitverschiebung gerade 2 Uhr nachts ist? Jetzt könnte ich den Nachbarn, dem ich meinen Hausschlüssel gegeben habe, aus dem Bett klingeln. Oder ich warte bis es früh morgens ist und rufe ihn dann an. Womöglich erklärt er mir dann, dass er für zwei Tage verreist ist und erst übermorgen am Abend nach dem Rechten sehen kann. In der Zwischenzeit läuft mein Keller voll…
Das ist der erste Grund, warum ich diese Art von Komfort für fragwürdig halte. Wenn jedoch der Melder mit einem Smart-Home System integriert werden kann, lässt sich zum Beispiel bei einem Wassermelder-Alarm die (zentrale) Wasserzufuhr abschalten. Diese Form der Integration wird dann aber schnell teuer.
Smarte Geräte verwenden oft den Funkstandard ZigBee. Der Standard (vor Version 1.2.1) galt als sicher bis im November 2015 Sicherheitslücken aufgetaucht sind. Neuere Geräte verwenden die Version 3.0, die diese Sicherheitslücken nicht mehr ausweisen.
Ein weiterer Grund, der gegen diesen zweifelhaften Komfort steht, liegt in der Verbindung zum Internet. Diese kleinen „smarten“ Teile sind oft mit dem WLAN verbunden und übermitteln Informationen an einen Server im Internet. Welche Informationen? Ist das transparent für mich? Natürlich nicht, da die Informationen vom Gerät bis zum Server verschlüsselt erfolgt, das heißt für mich nicht einsehbar. Natürlich behauptet das Unternehmen, dass nur notwendige Daten erhoben und meine übermittelten Informationen sicher sind. Es sind für mich wirklich dumme Menschen, die das glauben. Leider ist diese Dummheit auch oft unter IT-Fachleuten anzutreffen.
Ein paar Beispiele, die das verdeutlichen:
Aus meiner beruflichen Praxis wurde ich von einem Kunden informiert, dass der Zugriff auf die interne Datenbank des eCommerce-Systems nicht mehr sicher sei und gehackt wurde. Dabei wurden Bestandteile für den Zugriff auf die Datenbank von einem externen Dienstleister per E-Mail mitgeteilt. Die Absicht des E-Mail-Absenders war Unsicherheit beim Kunden zu erzeugen und die eigenen „Qualitäten“ zur Datensicherheit dem Kunden zu offerieren. Abgesehen davon, dass sich keine wirkliche Bedrohungslage ergab, stellt sich die Frage, warum ein „wildfremder“ Dienstleister über sensible Daten des Kunden Bescheid wusste?
In einer Kommunikation mit einem anderen Dienstleister fragte ich nach einem zweiten Kommunikationskanal, um sensible Zugriffsdaten zu IT-Systemen mitzuteilen. Als Antwort erhielt ich von diesem „IT-Fachmann“ die Belehrung, dass die Übertragung heute per E-Mail sicher sei (SSL-verschlüsselt) und wir keinen zweiten Kanal bräuchten. Ich entgegnete ihm, dass nur die Übertragung von meinem Rechner zu meinem E-Mail-Server und die Übertragung von seinem E-Mail-Server zu seinem Rechner sicher sei. Die Information ist aber durch Dritte (Administratoren der E-Mail-Provider) auf beiden E-Mail-Servern (permanent, also auch noch nach Jahren) einsehbar. Nach meiner Belehrung teilte er mir einen zweiten Kommunikationskanal mit…
Beide Beispiele veranschaulichen eine hohe Naivität unter IT-Fachleuten und erst recht unter Laien. Jemanden der „smarte“ Lösungen als sicher darstellt, halte ich für unwissend, dumm oder berechnend. Ich für mich verzichte auf solche „smarten“ Lösungen, da diese unsicher und im Nutzen zweifelhaft sind. Andere Bürger setzen auf solche „smarten“ Lösungen und sehen in den Internet-Verbindungen keine Probleme, da sie ja unbescholten sind und nichts zu verbergen haben… Naja, das ist jetzt ein anderes Thema.

Kommentare
Hinweis zu den Nutzungsbedingungen und Datenschutzbestimmungen