Wie fange ich an? Ein Plan musste her

Nach so langer Zeit hatte ich theoretisch wie praktisch keine Ahnung, wie man eine moderne Modellbahnanlage aufbaut. Eine analoge Anlage sollte es auf jeden Fall nicht werden. Die Möglichkeiten einer digitalisierten Modellbahn sind überwältigend.

Analoge Bahn

  • Geschwindigkeit wird durch die Spannung am Gleis geregelt. Eine höhere Spannung erzeugt eine höhere Geschwindigkeit.
  • Züge, die unabhängig von einander fahren sollen, können dies nur auf einem separaten Gleisabschnitt (ein Stromkreis).
  • Halts von Loks werden durch kleine stromlose Gleisabschnitte, zum Beispiel vor Signalen, realisiert.

Digitale Bahn

  • Das Gleis führt immer (Fahr-)spannung. Die Fahrbefehle, Lichtsteuerungen, Soundeffekte erfährt die Lok über einen Digitaldecoder von der Steuerzentrale.
  • Unabhängige Steuerung vieler Züge gleichzeitig, realistische Sounds/Lichtfunktionen, einfaches Schalten von Weichen, Automatisierung per Computer/App möglich.
  • Realistische Steuerung jeder einzelnen Lok mit einem Lok-spezifischen Sound möglich.

Analog ist kostengünstiger und ideal für einfache, kleine Anlagen (1-2 Züge) mit simpler Technik. Digital bietet durch unabhängige Steuerung jeder einzelnen Lok, Licht-/Soundeffekte und PC-Anbindung deutlich mehr Fahrkomfort und Realismus, ist aber teurer. Das würde aber auch bedeuten, dass ich die Loks alle digitalisieren müsste.

Vermutlich sind auch die Motoren in den Loks zu ersetzen. Folglich müsste ich jede Lok umrüsten und/oder mir neue kaufen. Wenn man eine Umrüstung (Motoren, Digitalisierung, Kupplung, Beleuchtung) überschlägt, dann lohnt sich diese nicht wirklich. Am Ende hat man doch ein Modell in der Hand, welches nicht die Detailtreue heutiger Modelle hat, aber man hat ähnlich viel Geld ausgegeben und darüber hinaus auch viel Zeit in jedes einzelne Modell gesteckt.

Aus dem TT-Board:
Ich empfehle rechtzeitig einen Schlussstrich unter die alten Loks und Wagen zu ziehen. Für die ersten Spielversuche sind sie in Ordnung, wenn sie sich mit ein wenig Öl und Fett reaktivieren lassen. Wachsen aber die Ansprüche an die Fahreigenschaften, wird das je nach Modell schnell mal ein Fass ohne Boden. Irgendwann bekommt man dann nicht mehr den Absprung, weil zu viel Arbeit und Geld drin steckt, was man auch nicht wieder bekommt.

Alles wegschmeißen und neu kaufen?

Ich bin ein nachhaltig denkender Mensch und weniger konsumorientiert. Zum anderen habe ich ideelle Verbindungen zum Material von Zeuke-Bahnen und Berliner-TT-Bahnen. Also kam ich trotz des Ratschlages aus dem TT-Board zum Entschluss, das alte Zeug nicht zu entsorgen und so weit und gut es geht (zum Teil) zu modernisieren. Ob mir das gelingt, werden wir sehen.

Wie ist eine digitalisierte Modellbahn aufgebaut?

Wie eine analoge Bahn aufgebaut ist, war mir noch klar. Ein Trafo erzeugte eine Gleichspannung, die auf die Gleise gegeben wurde. Dreht man den Regler z.B. nach links, wird an eine Schiene das Pluspotential und an die andere das Minuspotential gelegt. Die Lok fuhr dadurch z.B. nach links. Drehte man den Regler nach rechts, wurden die Potentiale am Gleis vertauscht und die Lok fuhr nach rechts. Je weiter ich den Regler drehte, desto höher wurde die Spannung am Gleis und die Lok fuhr schneller.

Trafo und Drähte zum Gleis waren im Grunde die Dinge, die man brauchte, um eine Lok in Bewegung zu setzen. Soll eine Lok z.B. vor einem Signal halten, dann benötigt man noch Trennungsgleise, um diesen Abschnitt vor dem Signal stromlos zu halten. Trennte man auf einer Modellbahn größere Abschnitte von einander und versorgte diese Abschnitte von verschiedenen Trafos, konnte man Loks auf den unterschiedlichen Abschnitten auch unabhängig von einander steuern.

Neben den Dingen Trafo und Drähte wurde ich in der digitalen Welt von vielen neuen Begriffen erschlagen:

  • DCC-Digitalsystem
  • Digitale Zentrale
  • Booster
  • GBM (Gleisbelegtmelder)
  • BiDiB® (steht für BiDirektionaler Bus)
  • RailCom®
    (RailCom ist ein bidirektionales Kommunikationssystem, das Informationen auch von Lokomotiven an die Zentrale zurücksendet. Es erweitert das DCC-Digitalsystem und ermöglicht so eine präzise Lokerkennung, Positionsbestimmung und Statusabfrage in Echtzeit.)
  • Dekoder zur Steuerung von Weichen, Signalen, Licht und vieles mehr
  • Lokdekoder
  • Steuerungsprogramm auf dem PC

Es gab eine Vielzahl von unterschiedlichen kommerziellen und offenen Systemen. Schon bald war klar, dass ich mich für das OpenDCC entscheide. OpenDCC ist eine von Wolfgang Kufer entwickelte DCC-Zentrale. Sie ist sehr gut gepflegt und dokumentiert und sie ist eine sehr gute Alternative zu vielen kommerziellen Angeboten. Inzwischen ist dafür eine große Community gewachsen, die Komponenten auch als Selbstbausätze anbieten. Auf den umfangreichen Seiten von OpenDCC kann man sich über das quell-offene System informieren. 

Um die Möglichkeiten einer digitalen Bahn kennenzulernen, brauchte ich eine Spielbahn (-platte). Dazu hatte ich mir ein einfache Kreisbahn mit einem zweiten Gleis vorgestellt.

Eine so einfache Bahn benötigt keine Trennstellen, es sei denn, man möchte die automatisieren. Und genau dies möchte ich auch auf der kleinen Testanlage ausprobieren und daraus Erkenntnisse für die eigentliche Modellbahn ableiten. Die kleinen Dreiecke im Gleisplan kennzeichnen die Trennstellen, die ich für einen automatischen Betrieb brauche. Auf den farbigen Gleisabschnitten zwischen den Weichen sollen Loks auch (automatisch) Halten können. Da ich Rocrail als Steuerungsprogramm verwenden möchte, benötige ich für diese Gleise jeweils 3 Melderabschnitte. Dazu hier wieder ein Forum-Beitrag. Das linke innere Gleis hat einen Radius von 315 mm, obwohl ich auf der eigentlichen Modellbahnanlage einen Mindestradius von 353 mm nicht unterschreiten möchte. Dies soll dort der Betriebssicherheit dienen, obwohl ich mir im Klaren bin, dass die Modellbahn dadurch mehr Platz beanspruchen wird. Hier auf der Testanlage möchte ich aber testen, ob dieser Radius mit „längeren“ Zügen auch sicher durchfahren werden kann. Sollte das auf Gleisen mit diesem Radius gelingen, dann wird es bei größeren Radien keine Probleme geben.

Die nächste Frage ist eine Frage nach dem Gleissystem. Damit habe ich mich nicht länger befasst und werde auf das Modellgleissystem (Flexgleise) von Tillig setzen. Tillig hat hier ein sehr großes Angebot, auch mit Selbstbausätzen für 12° und 15° Grad Weichen. In den Foren habe ich aber gelesen, dass man auf die Unterflurweichenantriebe von Tillig verzichten sollte, da diese zu laut und die Wahrscheinlichkeit des Nachjustierens sehr groß ist.

Damit hatte ich einen Plan für die Testanlage.